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Medizintechnik und Coburg?

Gibt es ein Potenzial für Unternehmen aus unserer Region (Coburg und Umgebung), sich am Boom der Branche "Medizintechnik" zu beteiligen? Was brauchen Ärzte überhaupt an Geräten, um zu diagnostizieren, um eine Heilung zu unterstützen? Wie weit ist die Forschung? Welche Innovationsmöglichkeiten stecken in dieser Branche? Wie kommen Partner in Forschung und Unternehmen zueinander? Welche Voraussetzungen müssen Zulieferbetriebe in dieser Branche mitbringen? Wo geht die Zukunft hin?

Diese Fragen erörterten wir in unserem Werkstattgespräch. Dazu sprachen namhafte Experten und spannen den Bogen von den medizinischen Wünschen und Notwendigkeiten bis hin zur unternehmerischen Umsetzung und zukünftigen Geschäftsfeldern.

Die Veranstaltung war gut besucht und führte im anschließenden Networking zu lebhaften Gesprächen. Es haben sich viele Kontakte ergeben. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass das Thema Medizintechnik auch für Coburg und Umgebung interessant ist und es weitere Aktivitäten geben sollte.


Die Beiträge im einzelnen:

Prof. Dr. Dr. Walter Strohmaier
Klinikum Coburg

Medizin und Technik gehören untrennbar zusammen – schon vor 3000 Jahren hat sich die Medizin technischer Hilfsmittel für Diagnostik und Therapie bedient. Mit dem technischen Fortschritt hat sich auch die Medizin zu früher undenkbaren Leistungen hin entwickelt. Die Medizintechnologie leistet einen wichtigen Beitrag für eine effiziente Gesundheitsversorgung. Technische Hilfsmittel werden in praktisch allen Gebieten der Medizin eingesetzt. Die Palette reicht hierbei von vergleichsweise einfachen Produkten wie Kathetern, Kanülen und Verbandsstoffen bis hin zu „high tech“-Produkten Computer- und Magnetresonanztomographen oder Herz-Lungen-Maschinen. Medizinprodukte stammen daher aus einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Branchen.

Die Gesundheitsausgaben im Bereich der Medizinprodukte betrugen 2004 in Deutschland über 20 Mrd. € (Statistisches Bundesamt). 2005 wurden in Deutschland medizintechnische Produkte für rund 15 Mrd. € produziert. Der Weltmarkt wird derzeit auf 200 Mrd. € geschätzt. Beim Export von Medizintechnik hat Deutschland einen Welthandelsanteil von 15 % und liegt damit nach den USA an zweiter Stelle, der Exportanteil stieg 2005 um 17 %.

Das Gesundheitswesen und damit auch die Medizintechnologie sind ein weltweiter Wachstumsmarkt. Der medizinische Fortschritt, unsere immer älter werdende Bevölkerung und ein verstärktes Gesundheitsbewusstsein tragen dazu bei, dass dies auch in absehbarer Zeit so bleiben wird. Eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs erwartet daher für den Medizintechnik-Sektor auf Sicht von fünf Jahren ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 13 %.

Die Medizintechnologie ist eine hoch innovative Branche. Rund 7 % des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklung gesteckt. 11 % der Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt kommen aus diesem Bereich. Für die Entwicklung neuer Produkte spielt die Kooperation zwischen der Medizin und der Technik eine entscheidende Rolle. Bei gut der Hälfte aller Produkte stammen die Ideen ursprünglich von den Anwendern. 

Der Vortrag will die Vielfalt der Medizintechnik und damit die Chancen für viele Branchen aufzeigen. Gerade auch in der Region Coburg, wo eine vielfältige mittelständische Industrie, zwei Fachhochschulen und ein großes Klinikum nahe beieinander sind, bestehen gute Chancen an diesem Wachstumsmarkt teilzuhaben



Prof. Dr.-Ing. Helmut Ermert (dieser Beitrag entfiel aus Krankheitsgründen)
Ruhr-Univesität Bochum

Die Medizintechnik hat nicht unwesentlich zu den erreichten Fortschritten bei Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge in der Medizin beigetragen und spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen, das mit seinen diversen Komponenten (u. a. Krankenhäuser, Arztpraxen, Medizintechnikindustrie, Dienstleister, Kostenträger) einen der größten Wirtschaftsfaktoren und Arbeitsmärkte darstellt. Auch wenn die reine Medizintechnik an den Ausgaben in der Gesundheitswirtschaft in Bezug auf Investitionen und Betriebskosten nur einen geringen Anteil hat, spielt sie dennoch eine Schlüsselrolle bei zukünftigen Innovationen im gesamten Gesundheitswesen.

Bei der Medizintechnik lassen sich zwei Schwerpunkte unterscheiden. Der erste betrifft die Erforschung, Entwicklung, Realisierung und Vermarktung technischer Verfahren, Geräte und Systeme für z.B. Diagnose, Überwachung, Therapie, Organ- und Funktionsersatz und Rehabilitation. Der zweite Schwerpunkt umfasst die Analyse, Modellierung und Simulation von Zuständen und Prozessen lebender Systeme (Organe, Organismen) hinsichtlich physikalischer Zusammenhänge sowie hinsichtlich der Vorgänge von Informationsaufnahme, -übertragung und -verarbeitung. Dieser zweite Bereich, der über die oft als reine „Apparatetechnik“ verstandene Medizintechnik hinausgeht, verleiht diesem Gebiet häufig die Bezeichnung „Biomedizinische Technik“. Sie ist durch ihren stark interdisziplinären Charakter und das hohe Maß fachlicher Breite auch innerhalb ihrer Teilgebiete besonders geprägt. Sie umfasst neben Medizin und Pharmakologie hauptsächlich ingenieurwissenschaftliche Fachgebiete wie Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau und Werkstoffwissenschaften, daneben aber auch naturwissenschaftliche Disziplinen wie Physik und Biologie.

An einigen Beispielen sollen im Vortrag der Stand der Technik und sich abzeichnende Entwicklungstrends erläutert werden. Darüber hinaus sollen Wege und Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Umsetzung neuer Ideen dargestellt werden. Da in Deutschland sowohl der Bund als auch die Länder und die Regionen die große wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft und insbesondere der Medizintechnik erkannt haben, entstanden auf allen Ebenen (Bund, Länder, Regionen) diverse Initiativen und Konzepte (Schwerpunktprogramme, Kompetenzzentren, Strukturhilfemaßnahmen), deren Ziel nicht nur in der Förderung von Forschung und Entwicklung, sondern auch in der Steigerung der Effizienz der Wertschöpfungskette zwischen Forschung und Vermarktung besteht. Einige solcher Konzepte sollen vorgestellt und Erfahrungen daraus diskutiert werden.

Dr. Clemens Scholz
Vorstand World of Medicine, Berlin

Von der Idee zum Medizinprodukt - Innovationsmanagement und Designlenkungsprozess in der Medizintechnik

Wie sieht eine optimale Entwicklungsumgebung für ein Medizintechnikunternehmen aus?

Anforderungen an ein Zulieferunternehmen im Bereich der Medizintechnik

Ausblick auf zukünftige Geschäftsfelder der W.O.M. AG



Programm zum Download



Franz Brosch
Geschäftsführer der Bayerischen Arbeitgeberverbände vbw/BayME/VBM für Oberfranken




Prof. Dr. Dr. Walter Ludwig Strohmaier wurde 1957 in Stuttgart geboren. nach dem Studium der Humanmedizin an den Universitäten Köln und Tübingen legte er 1983 das medizinische Staatsexamen ab, im selben Jahr erfolgte die Promotion zum Dr. med. nach der Facharztausbildung an der Urologischen und Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen arbeitete er von 1989 bis 1996 als Oberarzt an der Urologischen Universitätsklinik Tübingen. 1992 erfolgte die Habilitation (Dr. med. habil.) und Ernennung zum Privatdozenten, ebenso – nach Ablegen der europäischen Facharztprüfung – die Ernennung zum Fellow of the European Board of Urology (FEBU).

1996 wurde er zum Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Klinikums Coburg berufen, 1998 ernannte ihn  die Eberhard-Karls-Universität Tübingen zum außerplanmäßigen Professor. Seit 2000 leitet Prof. Strohmaier auch die Sektion Neuro-Urologie der Fachklinik Medical Park in Bad Rodach, seit 2001 ist er Ärztlicher Direktor des Klinikums Coburg. 2006 erhielt er die neu geschaffene Zusatzbezeichnung Andrologie.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten (rund 250 Publikationen) wurden wiederholt mit Preisen ausgezeichnet. Er ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften, des Beirats der Hochschule für Fachtherapien im Gesundheitswesen Schloss Hohenstein Coburg und Vorsitzender der Ethikkommission der Hochschule Coburg und Gutachter für mehrere nationale und internationale medizinisch-wissenschaftliche Zeitschriften



Prof. Dr. Dr. Helmut Ermert wurde 1941 in Hagen/Westfalen geboren. Nach dem Studium der Elektrotechnik an den Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (Dipl.-Ing., 1965) und der Promotion auf dem Gebiet der Mikrowellentechnik (Dr.-Ing., 1970) an der RWTH Aachen arbeitete er als Oberingenieur am Institut für Hochfrequenztechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1975 erfolgte die Habilitation (Dr.-Ing. habil.) für das Fachgebiet Hochfrequenztechnik und die Ernennung zum Privatdozenten. Es folgte eine Tätigkeit als Professor (Extraordinarius) für Hochfrequenztechnik an der Technischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg.

1987 wurde er auf den Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik an die Ruhr-Universität Bochum berufen, wo er als geschäftsführender Direktor des Instituts für Hochfrequenztechnik tätig ist. Schwerpunkte seiner Lehr- und Forschungstätigkeit sind Hochfrequenztechnik, Mikrowellentechnik und Ultraschalltechnik, Spezialgebiete sind diagnostische Abbildungsverfahren, insbesondere bildbasierte Gewebediagnostik in der Medizin mit Ultraschall und anderen nichtionisierenden Modalitäten. Prof. Ermert ist Sprecher und Koordinator des Kompetenzzentrums Medizintechnik Ruhr KMR in Bochum, das nach einem bundesweiten Wettbewerb vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) neben sieben weiteren Kompetenzzentren eingerichtet und gefördert wurde.

Prof. Ermert ist Autor und Koautor von über 200 Publikationen in Fachzeitschriften und Tagungsbänden und Inhaber einiger Patente auf dem Gebiet der Medizintechnik. Er ist Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT), deren Vorsitzender er 1995 – 1997 war. 2001 wurde er zum Fellow des IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers, USA) ernannt und als ordentliches Mitglied in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften gewählt. Von 2005 bis 2006 war er Generalsekretär der EAMBES (European Alliance for Medical and Biological Engineering and Science) und ist seit 2002 aktives Mitglied von acatech (Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften), wo er an der Erarbeitung von Empfehlungen zur Stärkung der Innovationskraft der Gesundheitstechnologien beteiligt ist.



Dr. Clemens Scholz, Technischer Vorstand (COO)
der W.O.M. WORLD OF MEDICINE AG, Dipl.-Ingenieur Maschinenbau.

Geb. 10. Februar 1960, Stuttgart, verheiratet, 2 Kinder

Seit 1998
Aufsichtsrat bei der Laser- und Medizin-Technologie GmbH,Berlin

Seit 2000
Technikvorstand der W.O.M. WORLD OF MEDICINE AG

1998-2000
Zusätzliche Tätigkeit in der Trumpf-Gruppe als Co-Geschäftsführer bei der Blancomed GmbH, Saalfeld

1994-2000
Geschäftsführer Hüttinger Medizintechnik GmbH & Co. KG

1991-1994
Projektleiter, dann Leiter F&E, Hüttinger Medizintechnik GmbH & Co. KG (medizinische Tochter der Trumpf-Gruppe)

1986-1991
Stellv. Abteilungsleiter am Fachgebiet für Biomedizinische Technik mit dem Schwerpunkt „Lasermedizin“ am Universitätsklinikum Berlin-Steglitz

1988-1991
Promotion am Institut für Feinwerktechnik und Biomedizinische Technik der TU Berlin, Thema: „Neue Verfahren für die Bearbeitung von Hartgewebe in der Medizin mit dem Laser“

1985/1986
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Laser-Medizin-Zentrum GmbH, Berlin

1985-1990
Studium der Humanmedizin mit dem Abschluss derKurse und Erhalt aller vom Landesprüfungsamt vorgeschriebenen Scheine

1984-1985
nstitutfür experimentelle Chirurgie der TU MünchenStudentische und wissenschaftliche Hilfskraft sowiewissenschaftlicher Angestellter

1979-1985
Studium Maschinenbau

Mitgliedschaften /ehrenamtliche Tätigkeiten

Seit 2001Mitglied ASLMS – American Society for Laser Medicine and Surgery, Inc.

Informationen über World of Medicine AG hier