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Medizintechnik - Entwicklungstrends und Innovationspotenziale

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Medizintechnik: Entwicklungstrends und Innovationspotenziale

Der Stellenwert der Medizintechnik in der deutschen Wirtschaft steigt. In diesem Segment ist die deutsche Industrie weltweit bereits an dritter Stelle, 51 Prozent der Produktion werden exportiert, und der Markt wächst überproportional weiter. Wo die Technik steht, welche Entwicklungstrends sich abzeichnen und wie sich neue Ideen derzeit umsetzen lassen, darüber referierte Professor Dr.-Ing. Helmut Ermert beim Werkstattgespräch unter dem Titel „Medizintechnik – Entwicklungstrends und Innovationspotenziale“.

Dass es stets Entwicklungsbedarf gibt, verdeutlichte der Hochfrequenztechnik-Spezialist Ermert unter anderem am Beispiel der Herausforderungen und technologischen Fortschritte in der Ultraschalltechnik. Er zeigte Vergleichsbilder von 1970 bis 2000, deren Qualität sich fortwährend verbesserte. Doch auch heute gelte es noch, die Treffsicherheit zu erhöhen und vom Untersucher unabhängige Befunde zu ermöglichen. Hier seien Entwicklungstrends im Hinblick auf Signalverarbeitung, 3D- und 4D-Techniken und Kontrastmittel feststellbar. Auch würden derzeit „intelligente“ Systeme, zum Beispiel quantitative Verfahren, multimodale und hybride Konzepte sowie zelluläre und molekulare Diagnostik entwickelt.

Ermert, der als Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik sowie international anerkannter Experte für Mikrowellen- und Ultraschalltechnik über eine Jahrzehnte lange Erfahrung auf vielen medizintechnischen Gebieten verfügt, äußerte sich auch kritisch zu den gegenwärtigen Forschungs- und Entwicklungsbedingungen in Deutschland. Die Einführung neuer Produkte sei aufwändig an Personal, Zeit und Geld, rechtlich schwierig und mit langatmigen Genehmigungsprozeduren verbunden. Es fehle an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern, vielerorts spiele Forschung allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Darin bestätigte ihn Professor Dr. Johannes Brachmann (Chefarzt der II. medizinischen Klinikum am Klinikum Coburg), der von bürokratischen Hemmnissen bei Zulassung und Abrechnung neuer Behandlungsmethoden berichtete. Hinzu käme die zeitliche Belastung des Personals, das Forschungstätigkeit in die Freizeit verlagern müsse. Ähnlich äußerte sich auch Professor Dr. Gerhard Lindner (Physikalische Technik, Hochschule Coburg) in Bezug auf die Forschungsbedingungen im Hochschulbereich.

Dennoch wird sich die Medizintechnik, vor allem getragen von weltweit agierenden Großunternehmen, laut Ermert auch in Deutschland stark weiterentwickeln: „Die großen Trends der Zukunft heißen Biomolekularisierung, Miniaturisierung und Computerisierung.“ Fokusthemen für das Jahr 2025 seien unter anderem Biomaterialien, Messsysteme für die Medizin und Biosignalverarbeitung, Telemedizin, DNA-Chips sowie computergestützte Diagnose und der virtuelle Patient.










*) Quelle: www.think-ing.de/index.php?media=1511&resize=0x0


Prof. Dr. Dr. Helmut Ermert wurde 1941 in Hagen/Westfalen geboren. Nach dem Studium der Elektrotechnik an den Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (Dipl.-Ing., 1965) und der Promotion auf dem Gebiet der Mikrowellentechnik (Dr.-Ing., 1970) an der RWTH Aachen arbeitete er als Oberingenieur am Institut für Hochfrequenztechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1975 erfolgte die Habilitation (Dr.-Ing. habil.) für das Fachgebiet Hochfrequenztechnik und die Ernennung zum Privatdozenten. Es folgte eine Tätigkeit als Professor (Extraordinarius) für Hochfrequenztechnik an der Technischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg.

1987 wurde er auf den Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik an die Ruhr-Universität Bochum berufen, wo er als geschäftsführender Direktor des Instituts für Hochfrequenztechnik tätig ist. Schwerpunkte seiner Lehr- und Forschungstätigkeit sind Hochfrequenztechnik, Mikrowellentechnik und Ultraschalltechnik, Spezialgebiete sind diagnostische Abbildungsverfahren, insbesondere bildbasierte Gewebediagnostik in der Medizin mit Ultraschall und anderen nichtionisierenden Modalitäten. Prof. Ermert ist Sprecher und Koordinator des Kompetenzzentrums Medizintechnik Ruhr KMR in Bochum, das nach einem bundesweiten Wettbewerb vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) neben sieben weiteren Kompetenzzentren eingerichtet und gefördert wurde.

Prof. Ermert ist Autor und Koautor von über 200 Publikationen in Fachzeitschriften und Tagungsbänden und Inhaber einiger Patente auf dem Gebiet der Medizintechnik. Er ist Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT), deren Vorsitzender er 1995 – 1997 war. 2001 wurde er zum Fellow des IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers, USA) ernannt und als ordentliches Mitglied in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften gewählt. Von 2005 bis 2006 war er Generalsekretär der EAMBES (European Alliance for Medical and Biological Engineering and Science) und ist seit 2002 aktives Mitglied von acatech (Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften), wo er an der Erarbeitung von Empfehlungen zur Stärkung der Innovationskraft der Gesundheitstechnologien beteiligt ist.